© NSG Königsbrücker Heide/Dirk Synatzschke

Nur etwa 30 Kilometer nordöstlich von Dresden entfaltet sich eine Landschaft, in der Natur wieder ungezähmt sein darf: das Wildnisgebiet Königsbrücker Heide, ein ehemaliger Truppenübungsplatz. Auf rund 7.000 Hektar entwickelt sich hier eine Landschaft mit großer Diversität, die seit 2023 als internationales Wildnisgebiet anerkannt ist – ein Novum für Deutschland. Zwischen weiten Sandheiden, Mooren und offenen Wäldern entfaltet sich die Natur wieder aus eigener Kraft und erobert sich ehemals menschlich genutzte Flächen zurück. Aus Schutzgründen gibt es für Gäste ein Betretungsverbot – auf Besucherpfaden und von Aussichtstürmen aus lässt sich die Natur aber gut beobachten. Für seltene Tiere wie Wolf oder Bekassine und eine große Vielfalt an Flechten und Moosen ist das Gebiet ein wertvoller Rückzugsraum. 

70  km²

Raum für Urwaldreliktarten oder vom Aussterben bedrohte Pflanzen machen das Wildnisgebiet zum Hotspot der Biodiversität im Freistaat.

667  Arten

der Roten Liste sind hier nachgewiesen – darunter 51 vom Aussterben bedrohte Arten in Sachsen und 27 in Deutschland.

111  Vogelarten

teilweise mit herausragender Populationsdichte wie bei Bekassine, Heidelerche und Ziegenmelker gedeihen hier prächtig und ganz natürlich.

Wolf im Wildnisgebiet Königsbrücker Heide
© NSG Königsbrücker Heide / Gernot Engler

Die Landschaften im Wildnisgebiet bieten Hirschen, Fledermäusen und Wölfen sowie zahlreichen anderen heimischen Wildtieren einen Lebensraum. Gleich sieben Fledermaus- und 111 Vogelarten, 132 Moos- und 157 Flechtenarten gedeihen hier. Ein Höhepunkt im Jahreslauf ist der Herbst: Dann blüht die Heide soweit das Auge reicht. Zeitgleich beginnt die Hirschbrunft – Rotwild, Rehe und Schwarzwild lassen die Wälder lebendig werden.

Hölzener Steig "Biberpfad" im Wildnisgebiet Königsbrücker Heide
© NSG Königsbrücker Heide / Thomas Bittner

Startet euren Tag am Besucherzentrum Königsbrücker Heide, von wo aus 6 Besucherpfade in die Randbereiche des Wildnisgebiets führen. Auf dem Biberpfad oder dem Turmpfad begleiten euch Infotafeln durch Biberreviere und abwechslungsreiche Landschaften bis hin zum imposanten Aussichtspunkt Haselbergturm. Alle Besucherpfade sind an den ca. 55 km langen Radrundweg das Wildnisgebietes angebunden.

Gusseisener Haselbergturm im Wildnisgebiet Königsbrücker Heide
© NSG Königsbrücker Heide / René Paul

Der 34 Meter hohe Haselbergturm auf dem Haselberg bietet einen der besten Ausblicke über die Heide – ihr schaut über weite Moorflächen und dichte Wälder – ein Panorama, das die Dimension dieses Wildnisraums begreifbar macht. Besonders in den frühen Morgenstunden liegt oft Dunst über den Niederungen, während Greifvögel ihre Kreise ziehen. Infotafeln vor Ort erklären die Landschaftsentwicklung vom Truppenübungsplatz zur Wildnis. 

Gruppe auf der Aussichtsplattform bei geführter Wanderung im Wildnisgebiet Königsbrücker Heide
© NSG Königsbrücker Heide / Teresa Brose

Bei verschiedenen Themenführungen begleiten euch erfahrene Natur- und Landschaftsführer. Sie zeigen Spuren von Wolf und Rotwild, erklären die Bedeutung von Mooren und Feuchtheiden und ordnen die dynamischen Veränderungen ein. Ihr erfahrt, wie sich Landschaft ohne menschliche Steuerung entwickelt. Und ihr lernt, warum Geduld eine wichtige Eigenschaft ist. 

hölzerne Schutzhütte im Wildnisgebiet Königsbrücker Heide
© NSG Königsbrücker Heide / Thomas Bittner

Mit etwas Glück entdeckt ihr von der Aussichtsplattform am See der Freundschaft Bekassinen oder Spuren des Bibers am Ufer. Die Plattform erlaubt Naturbeobachtung mit respektvollem Abstand zum Schutzgebiet. Gerade in den Abendstunden spiegelt sich das Licht eindrucksvoll auf der Wasserfläche. Am Biberpfad lädt auch die Biberhütte dazu ein, den Ausflug bei einer gemütlichen Rast oder einem Grillabend inmitten der Natur ausklingen zu lassen.

Grüner Geländebus im Wildnisgebiet Königsbrücker Heide
© NSG Königsbrücker Heide / Ronja Puschmann

Nur bei geführten Bustouren kommt ihr in sonst gesperrte Zonen des Wildnisgebiets. Die Busfahrten führen über holprige Wege zu besonderen Punkten. Dort begebt ihr euch hinein in die Wildnis, um natürliche Prozesse zu verstehen und die unberührte Natur zu erleben. Ein besonderes Highlight: Spezialtouren zur Heideblüte oder bei Nacht!

Vogel Wiedehof im Wildnisgebiet Königsbrücker Heide
© NSG Königsbrücker Heide/Dirk Synatzschke
Highlight: Die Natur mit allen Sinnen erleben bei einer "Expedition Wildnis"

Raus aus dem Alltag, hinein in eine Landschaft: Bei der Expedition Wildnis erkundet ihr gemeinsam mit erfahrenen Rangerinnen und Rangern das Wildnisgebiet Königsbrücker Heide. Auf geführten Wanderungen entdeckt ihr verborgene Lebensräume, beobachtet Tiere und Pflanzen und erfahrt Spannendes über die natürlichen Prozesse, die diese einzigartige Landschaft prägen. Je nach Tour eröffnet jede Expedition neue Perspektiven – von faszinierenden Einblicken in die Tier- und Pflanzenwelt bis hin zu besonderen Naturphänomenen, die sich nur fernab von Siedlungen und künstlichem Licht erleben lassen. Dabei vermitteln die Expertinnen und Experten Wissenswertes über die Wildnis und machen Zusammenhänge verständlich, die auf eigene Faust oft verborgen bleiben. Eine Expedition für alle, die die Natur intensiv erleben und mit neuen Blickwinkeln nach Hause zurückkehren möchten.

  • Wandern auf dem Qualitätsweg “Gräfenhainer Wanderschuh”: Der zertifizierte Wanderweg ist knapp 18 Kilometer lang und führt durch abwechslungsreiche bewaldete und offene Landschaften und Streuobstwiesen rund um die Heide. Moore, kleine Gewässer und lichte Kiefernwälder wechseln sich ab. Die Rundstrecke eignet sich als anspruchsvolle Tagestour und lässt sich gut mit einem Besuch von Königsbrück verbinden. Vom Keulenberg genießt ihr atemberaubende Ausblicke über die ganze Region. Rastplätze entlang des Weges laden dazu ein, die Ruhe dieser Region bewusst zu genießen. 

  • Radfahren auf dem Radrundweg Königsbrücker Heide – Der Wildnis so nah: Diese erlebnisreiche Runde führt auf gut ausgebauten Wegen ums Wildnisgebiet. Auf rund 50 Kilometern verbindet sie Wälder, Heideflächen und kleine Ortschaften miteinander. Die Strecke ist überwiegend flach und damit auch für Genussradler geeignet. Unterwegs eröffnen sich immer wieder Ausblicke auf die vielfältigen Landschaftsformen des Heidegebiets.

  • Mehrtagestour auf dem Heidebogen-Rundweg – Ab durch die Heide: Diese rund 130 Kilometer lange Radtour erschließt die Region zwischen Königsbrück, Großenhain und der Röderaue. Sie verbindet Naturerlebnis mit kulturellen Stationen und historischen Orten. Die abwechslungsreiche Strecke eignet sich für mehrtägige Touren oder einzelne Etappen. Besonders reizvoll ist der Wechsel zwischen offenen Landschaften und schattigen Waldabschnitten. 

© Jirka Hofmann

Das Wildnisgebiet Königsbrücker Heide liegt im Norden der Region Oberlausitz zwischen Dresden und Hoyerswerda und ist bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Ausgangspunkt für Erkundungen ist die Stadt Königsbrück, die bequem mit der Bahn über Dresden dem Bus von Kamenz – erreichbar ist. Von dort bringen Buslinien Naturbegeisterte zu den Eingängen und Ausgangspunkten des Wildnisgebiets – entspannt und ganz ohne Parkplatzsuche.