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Schinkel. Der preußische Oberbaudirektor war bereits mehrfach in Zittau tätig gewesen, als ihn ein Hilferuf der Bürgerschaft erreichte. Statische Probleme gefährdeten den Wiederaufbau der Kirche, die nach dem Kanonendonner des Siebenjährigen Krieges seit 1757 in Trümmern lag. Nun kämpften die örtlichen Fachleute schon jahrelang erfolglos gegen die Senkung des neu errichteten Südturms und der schon damals berühmte Architekt aus Preußen sollte es richten. Tatsächlich kam Schinkel zu einer tragfähigen Lösung im besten Wortsinn. Nur: Seine Planung erforderte einen neu gestalteten Nordturm, dem die Symmetrie der Kirchansicht zum Opfer fallen musste. Doch das war
den Zittauern recht und so prägt der „Schinkel-Dom“ die Stadtsilhouette heute auf sehr markante Weise.
Ein Dom für Zittau
Tatsächlich stellt sich die erhebende Wirkung eines großen Doms sofort ein, wenn der Besucher das hohe, lichte Hauptschiff betritt. Rund 1.100 Sitzplätze bietet St. Johannis und es gibt durchaus Anlässe, bei denen sie gut gefüllt sind – etwa wenn die 5.700 Pfeifen
der beeindruckend dimensionierten Jehmlich-Orgel bei großen Konzerten erklingen. Die schlichte Ausgestaltung der Kirche im klassizistischen Stil geht ebenfalls auf Planungen von Karl Friedrich Schinkel zurück. Hohe Weißglasfenster lassen sehr viel Licht in den
Gottesdienstraum und die Farben in der hölzernen Kassettendecke leuchten. Unter den Emporen zeigen sechs kleinere Buntglasfenster Szenen aus dem Leben Jesu.
Besonders auffällig ist die Gestaltung des Altarraums. Er ist über zwölf Stufen zu erreichen und wird von einem symmetrisch gestalteten Sternenhimmel überwölbt. Den hat Schinkel ebenso entworfen wie das großformatige Wandbild des Evangelisten Johannes darunter. Dort aber, wo sonst meist ein großes Kruzifix hängt, steht in der St.-Johannis-Kirche
eine überlebensgroße Christusfigur. „Der segnende Jesus ist erst seit 1888 hier und war in Schinkels Planungen nicht vorgesehen“, erklärt Pfarrer Schmidt. Geschaffen habe sie der
Bildhauer Franz Schwarz als Kopie einer Thorvaldsen-Figur in der Kopenhagener Liebfrauenkirche. Die einladende Geste erfreut seither nicht nur die Touristen, sondern auch die sonntäglichen Gottesdienstbesucher.
Friedensgruß in die Region
Wer in der St.-Johannis-Kirche noch eine andere Perspektive sucht, ist während der Saison von März bis Oktober und im Advent eingeladen, den Nordturm zu besteigen. Die Kletterei wird mit einem großartigen Blick auf den Zittauer Marktplatz und das hügelige Umland belohnt. Mit etwas Glück trifft man dabei auch den Türmer, der die urige Türmerstube einen Teil des Jahres bewohnt und regelmäßig Trompetenklänge über die Dächer schickt.
Gut zu hören ist hier auch der Glockenschlag aus dem Nachbarturm. Nach vielen Jahrzehnten mit einem unvollständigen Geläut tönt dort seit der feierlichen Weihe 2018 die neue Friedensglocke. Ihre Inschrift stammt aus der Bergpredigt: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Dieser Friedensgruß ist in deutscher, polnischer und tschechischer Sprache eingraviert – als wunderbare Botschaft ins Dreiländereck.
Mehr Informationen hier: www.ev-luth-kirche-zittau.de
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