Dresden: Correggio Ausstellung von Weltrang
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Wegbereiter des Barock
Um den kunstgeschichtlichen Rang Correggios zu verdeutlichen, skizziert Kurator Plackinger die Entwicklung des Malers, der schon zur Zeit der Renaissance die Bildwelten des Barock vorwegnahm. „Sein Frühwerk ist noch stark von Renaissancekünstlern wie Mantegna oder Leonardo da Vinci geprägt“, erklärt der Kunsthistoriker, aber in nur 15 Jahren habe sich der Künstler von diesen Vorbildern gelöst und seinen eigenen Stil gefunden. Die beiden Dresdner Madonnen zeigen das auf beeindruckende Weise. Beide sind nahezu identisch aufgebaut: Maria mit dem Jesuskind sitzt auf einem erhöhten Thron und wird von Heiligen und Engeln umringt. Die „Madonna des heiligen Franziskus“ entstand Jahr 1514/15 und erscheint noch sehr aufgeräumt und klar. Gegenüber wirkt die „Madonna des heiligen Georg“ von etwa 1530 hingegen fast schon überbordend schwungvoll und verspielt. „Wir sehen Johannes den Täufer hier sehr androgyn in fast schon lasziver Pose dargestellt, während die Puttenfiguren mit den Waffen des Drachentöters Georg spielen“, so Plackinger. „Die emotional gezeichneten Figuren nehmen elegante bis gewagte Posen ein, die für einen sakralen Kontext ziemlich ungewöhnlich waren.“ Wenige Jahre später, im strengeren kulturpolitischen Klima der Gegenreformation, hätte die katholischen Kirche das vermutlich nicht mehr toleriert.
Mindestens ebenso bemerkenswert ist die handwerkliche Meisterschaft des Malers, der wie damals kein Zweiter die Weichheit von Haut oder Haaren wiedergeben konnte und auf fast magische Art das Licht zu einem prägenden Element der Malerei machte. Nicht ohne Grund galt seine „Heilige Nacht“ um 1800 als das berühmteste Gemälde Europas und inspirierte nachweislich große Künstler wie Peter Paul Rubens oder den sächsischen Hofmaler Anton Raphael Mengs. Selbst der weitgereiste Dichterfürst Goethe erlag dem Zauber Correggios und notierte, dass durch den Künstler „der heilige Gegenstand … allgemein menschlich geworden“ sei. Durch Correggio wurde seine Heimatregion Emilia rund um Parma, Reggio und Modena zu einem festen Bestandteil der „Grand Tour“, der klassischen Bildungsreise junger europäischer Adeliger zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert. Und natürlich weckte diese Prominenz Begehrlichkeiten in ganz Europa.
Ein Grundstein der Dresdner Kunstsammlungen
In Deutschland befinden sich lediglich fünf Gemälde, vier davon in Dresden, wo sie bis heute zu dem wichtigsten Werken der Staatlichen Kunstsammlungen zählen. Diese größten Tafelbilder Correggios kamen 1746 zusammen mit fast 100 weiteren hochkarätigen Werken an die Elbe und begründeten den internationalen Ruhm der Dresdner Gemäldesammlung. Den sagenhaften Kunst-Coup hatte August III. eingefädelt, Polenkönig und Kurfürst von Sachsen. Geschickt hatte er im Österreichischen Erbfolgekrieg die finanzielle Notlage des exilierten Herzogs von Modena genutzt und damit im Handstreich seine Residenzstadt Dresden auf die Weltkarte der Kunstmetropolen platziert.
Dort steht sie noch heute und die Ausstellung „Correggio. Berührend menschlich.“ wird diesem Anspruch gerecht. Sie versammelt über 100 Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken, Skulpturen und kunstgewerbliche Gegenstände, die den enormen Einfluss Correggios und die Bedeutung für die Dresdner Sammlungen illustrieren. So wird nach der mehrjährigen Restaurierung auch seine „Madonna des heiligen Sebastian“ wieder zu sehen sein – „mit unfassbar strahlenden Farben“, wie Andreas Plackinger verspricht. Besonders freue er sich auch auf die Leihgaben, die das „profane und erotische Werk“ des Malers zeigen, das in den Dresdner Bildern allenfalls zu erahnen sei. Darüber hinaus dürfen sich die Besuchenden auf eine immersive Erfahrung weiterer Correggio-Arbeiten freuen: „Er war ja auch ein sehr gefragter Fresko-Künstler seiner Zeit und hat in dieser Technik ebenfalls viele spätere Barockkünstler inspiriert.“ Da diese Kunstwerke naturgemäß nicht reisen können, habe sich das Ausstellungsteam „etwas Besonderes“ einfallen lassen. Mehr will der Kurator aber noch nicht verraten.
Weitere Infos zur Ausstellung gibt es hier.






