Meißen: Turmgeschichten
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Treppauf durch die Geschichte
Natürlich lohnen die Turmführungen in der Frauenkirche auch allein des Panorama-Rundblicks wegen. Aber die lebensnahen Einblicke in die 358 Jahre währende Türmertradition zu Meißen sind für die Besucher etwas ganz Besonderes. Schon der Aufstieg über besagte 193 Stufen lässt erahnen, wie beschwerlich das Leben der Türmerfamilien zwischen 1549 und 1907 war. „Es gab durchaus auch Türmerfamilien mit fünf Kindern, deren Leben sich auf mehreren Ebenen abspielte.“
Dietrich Frank weist immer wieder auf Räume und Kammern hin, die im Alltag von den Türmern genutzt wurden. Auf einer der Etagen steht ein großer Korb, der an der westlichen Turmwand abgelassen wurde, um etwa Brennholz oder Vorräte nach oben zu ziehen. Bis zum Bau einer ersten Wasserleitung im 19. Jahrhundert musste auf diesem Weg auch jeder Tropfen Wasser mühevoll empor transportiert werden – und das Abwasser hinab. Denn eine Toilette findet sich bis heute nicht in den Räumen der Türmerwohnung.
Was es aber gibt, ist ein umlaufender Balkon. Auch der diente freilich nicht zur Erholung, sondern sollte dem Türmer eine weite Sicht über die Stadt erlauben. Mindestens einmal pro Stunde musste er den Blick in jede Richtung schweifen lassen, tags wie nachts. Im Falle eines Brandes griff er zum Sprachrohr, um das Rathaus am Markt und damit die Feuerwehr zu alarmieren.
Obwohl sein Amt für die öffentliche Sicherheit so wichtig war, konnte der Türmer nur sehr spärlich am Stadtleben teilnehmen. Nur einen „Auftritt“ hatte er jedes Jahr kurz vor Ostern: Bei der „Gründonnerstagsbegrüßung“ mischte er sich unters Meißner Volk und es war üblich, ihm mit einer Spende für seinen Dienst zu danken.
Feiner Glockenklang
1907 endete die Ära der Frauenkirchentürmer. Die Brandwache lag nun in der Hand der Freiwilligen Feuerwehr und auch der Glockenschlag wurde nun durch die Turmuhr ausgelöst. So kommt es, dass die Turmbesucher heute noch mehr sehen als einst die Türmer: das berühmte Porzellan-Glockenspiel. Es ist beim Weg in die Türmerstuben zu besichtigen und mehrmals am Tag zu hören. Zum 1.000. Stadtjubiläum anno 1929 wurde es installiert und ist natürlich aus dem hiesigen Porzellan gefertigt. Damals wurden die 37 Glocken über eine elektromechanische Walze gesteuert, die eingespielte Choräle zum Klingen brachte, und zu besonderen Anlässen wurde es auch per Hand bespielt.
Heute sorgt ein Computer für die Musikstücke und lässt viertelstündlich den berühmten Westminster-Schlag erklingen. Daneben lässt er den Tag um 6:35 Uhr mit dem Kirchenlied „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ beginnen und endet abends um 20:35 Uhr mit dem Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“.
So kommen im Schatten des Turmes bis heute Alltagsleben, Religion und Historie an der Frauenkirche zusammen. Für weitere Jahrhunderte voller Stadtgeschichten von hoch oben bis ins Elbtal.
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