Zwickau: Romanze in Moll - Das Robert Schumann Haus

Tipp
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Natürlich ist das Robert-Schumann-Haus in Zwickau vor allem ein Musikmuseum. Doch durch die Schau zieht sich auch der melancholische Ton einer großen Liebe, voller Leidenschaft und Tragik.
Robert Schumanns „Träumerei“ spielt die Audio-Station in fünf verschiedenen Aufnahmen aus acht Jahrzehnten. Aus den Kopfhörern perlen die Klaviertöne leicht und verspielt, doch bei jeder Interpretation ahnt der Zuhörer eine leichte Wehmut. Das ist nicht unangenehm und passt durchaus zum Bummel durch das Geburtshaus des Komponisten. Denn wie ließe sich sein musikalisches Werk begreifen ohne den Blick auf Clara Schumann? Als Clara Wieck war sie schon im Jugendalter seine große Liebe; später wurde sie – endlich – auch zur Ehefrau und nur 16 Jahre darauf seine viel zu junge Witwe. Aus dieser Spannung, dem folgenden Glück und einem schlussendlichen Drama speist sich das Werk des Multitalents Robert Schumann.

Hohe Töne, tiefe Töne

Vielleicht hätte der junge Robert ein passabler Jurist werden können: Talentiert und aus einem gut situierten Verlegerhaushalt stammend, wäre dieser Weg für ihn der wahrscheinlichste gewesen. Sein Vater gilt als Erfinder des Taschenbuchs, und mit einem Jurastudium in der Tasche hätte Schumann es im Unternehmen gewiss zu etwas gebracht. Doch er folgte zielstrebig seiner Leidenschaft. Erst war es die Musik, für die er mit dem Segen des Vaters die Juristerei an den Nagel hängte. Dann kam die Liebe zur neun Jahre jüngeren Clara Wieck hinzu, die er schon als kleines Mädchen kennenlernte, als er bei ihrem Vater Friedrich Wieck Klavierunterricht nahm. Wieder hörte Schumann auf sein Herz, kämpfte mehrere Jahre um Clara und musste sich schließlich vor Gericht die Genehmigung zur Hochzeit erstreiten, die ihr Vater partout nicht erteilen wollte.

Die Sammlung im Robert-Schumann-Haus dokumentiert all das auf anschauliche Weise. Erste heimliche Briefe sind zu sehen und viele weitere Dokumente. Parallel dazu entwickelte sich die Karriere der beiden Liebenden: Clara, väterlich behütetes Wunderkind am Piano, blieb auch nach der Hochzeit eine gefragte Pianistin. Robert machte sich mit ersten Kompositionen und als Musikjournalist einen Namen. Er gründete die „Neue Zeitschrift für Musik“, die heute noch existiert, und entdeckte etwa Frédéric Chopin als jungen Künstler. Nach der Hochzeit im September 1840 begannen die Schumannschen Familienjahre, die sich auch im musikalischen Werk widerspiegeln. Acht Kinder bekam das Paar, das 1840 eine Wohnung in der Leipziger Inselstraße bezog und ab 1844 in Dresden lebte. Nach seinem „Liederjahr“ komponierte Schumann 1841 die berühmte „Frühlingssinfonie“ und weitere Orchesterwerke. Daneben schrieb er neue Lieder und Musikstücke für seine Kinder – das alles fügt sich in der Ausstellung zu einem wundervollen Ganzen, das freilich von seinem tragischen Ende überschattet wird. 1854 geriet Schumann in eine psychische Krise, stürzte sich in Endenich in den Rhein und bat wenig später um Einweisung in eine Nervenklinik. Die sollte er bis zu seinem Tod 1856 nicht mehr verlassen, allen Interventionen Claras zum Trotz, die ihn um vier Jahrzehnte überlebte.

Schumann auf Zwickaus Straßen

Nach der Museumsrunde ist der Besuch bei Schumann noch nicht zu Ende. Spuren des Komponisten finden sich in der ganzen Stadt. Der entsprechende Plan für einen Rundgang
liegt kostenlos an der Museumskasse oder in der Tourist-Information aus. Wer nicht auf eigene Faust unterwegs sein möchte, bucht eine der zahlreichen Schumann-Stadtführungen.

In jedem Fall führt der Weg durch die ganze Zwickauer Innenstadt, vorbei an den Priesterhäusern, wo der erste Klavierlehrer des Komponisten wohnte und vis-à-vis der Dom steht, in dem Robert Schumann als Elfjähriger seinen ersten Konzertauftritt hatte. Auch das Rathaus und sogar die frühere Strafanstalt in Schloss Osterstein liegen an der Route. Was Letztere mit dem Komponisten zu tun hatte? Das möge der Besucher am besten selbst herausfinden. Vielleicht, wenn er seinen Zwickau-Besuch mit einer der zahlreichen Schumann-Veranstaltungen verbindet. Neben vielen Konzerten sind es besonders der Schumann-Wettbewerb und das Schumann-Fest, die regelmäßig internationale Künstler und Gäste in die Stadt an der Mulde ziehen.

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© Philipp Herfort
Magazin Stadtschönheiten Sachsen
14. Januar 2026

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