Wasser ist nicht gleich Wasser

Wasser und birgt viele Geheimnisse. Wassersommelier André Ulig verrät uns einige davon. 

Das wertvolle Nass kann weit mehr sein als ein Durstlöscher. Es bereitet feinen Genüssen die Bahn oder bringt den Körper in die Balance. Auf einer persönlichen Wasser-Entdeckungsreise ist André Uhlig der perfekte Begleiter. Der Dresdner ist ausgebildeter „Wassersommelier“ und in dieser Funktion führt er Gastronomen, Mediziner oder andere Interessierte in die Geheimnisse des Wassers ein. „Natürlich werde ich oft gefragt, was denn das beste Wasser sei“, sagt André Uhlig – „aber das ist eigentlich die falsche Frage.“ Vielmehr hänge die Auswahl eines passenden Wassers von vielen Faktoren ab – von den Bedürfnissen des Körpers, von der Jahreszeit – und nicht zuletzt auch vom persönlichen Geschmack.

 

Trinkwasserqualität aus vielen Quellen
Mehr als 500 unterschiedliche Mineralwässer gibt es in Deutschland. Jedes davon ist amtlich geprüft und unterscheidet sich von jedem anderen durch seinen Ursprung. Jeder Quellort steht für einen anderen Weg des Wassers durch die Gesteins- und Bodenschichten, die sich ganz unterschiedlich auf das Wasser auswirken. Über sehr, sehr lange Zeit sickert es durch diesen gewaltigen natürlichen „Filter“. Dabei reichert es sich mit Mineralstoffen an, verliert Sauerstoff, während die antioxidative Qualität zunimmt. Man könnte auch sagen: Das Wasser „reift“. Anders sieht es aus bei der „Rohrperle“, dem Leitungswasser. Das ist europaweit zumeist von hoher Qualität, aber wesentlich jünger und sauerstoffreicher. In den Ballungszentren kommt in der Regel ein Mix aus Oberflächen- und Grundwasser aus der Leitung, in flussnahen Gebieten ist gelegentlich auch „Uferfiltrat“ dabei. Trinkwasserqualität kommt deutschlandweit aus jedem Wasserhahn, auch wenn sich die Inhaltsstoffe regional unterscheiden. Das einzige Problem – man kann sich vor Ort nicht für ein anderes Wasser entscheiden. Manche setzen deshalb für den Trunk aus der Leitung auf spezielle Filtersysteme. Viele greifen dennoch bevorzugt zum Trinkwasser aus der Flasche.

 

Die „Sprudelfrage“ ist nicht alles
Beim Mineralwasser beginnt jedoch die Qual der Wahl, denn jedes Mineralwasser ist einzigartig in seiner gewachsenen Zusammensetzung. Der eine mag es mit wenig oder viel Sprudel, der andere eher sanft und still. Was rät der Experte? „Richtig interessant wird es erst bei den Inhaltsstoffen.“ Für den Sommer, wenn der Körper schwitzt und neben Flüssigkeit auch Mineralien verliert, empfiehlt er gern „hochdosiertes“ Mineralwasser – das hält den Stoffwechsel auf Zack. Allerdings, so Uhlig, müsse man Mineralwasser mit über 1.500 Milligramm Mineralstoffen pro Liter oft lange suchen.

Zum genussvollen Essen empfiehlt André Uhlig häufig ein Wasser mit mittlerem Mineralstoffgehalt zwischen 500 und 1.500 Milligramm pro Liter. „Aber in Sachen Genuss ist es beim Wasser wie beim Wein: die eigene Erfahrung und persönliche Vorlieben machen den Unterschied.“ Erfahrene Wassertrinker wählen zu unterschiedlichen Speisegängen oft auf andere Wässer: Zum Salat ein leichtes Wasser mit wenig Mineralien, beim Hauptgang mit etwas höherer Mineralisierung und zum Dessert darf das Wasser dann zum säuerlichen Gegenüber der Süßspeise werden. Und nach einem opulenten Mahl rät Uhlig gern zu einem Kaffee nebst Mineralwasser viel Natriumhydrogenkarbonat – „das wirkt bei Völlegefühl oft Wunder und ist nicht nur für Autofahrer eine gute Alternative zum Verdauungsschnaps“.

Weitere Informationen:

www.wasserpur.info

Drei Fragen an Wassersommelier André Uhlig

Was fasziniert Sie am Wasser?

Ich habe gelernt, dass man mit etwas Wissen über das Wasser und seine Ressourcen enorm viel für die eigene Lebensqualität tun kann. Diese persönliche Erfahrung gebe ich gern weiter – durchaus auch mit Leidenschaft.

Schlichtes Wasser als Genussmittel – wie passt das in eine Welt voller exotischer Speisen?

Ich nehme wahr, dass Nachhaltigkeit und bewusster Genuss heute für viele Menschen an Bedeutung gewinnt. Deshalb passt es sehr wohl in die Zeit, in der scheinbaren Einfachheit des Wassers eine grandiose Vielfalt zu entdecken, die sich aus der Natur und unserer Umgebung speist.

Was waren für Sie die wichtigsten „Aha-Effekte“ bei der Beschäftigung mit Mineralwasser?

Die Vielfalt an Nuancen und Wirkungsweisen auf den menschlichen Organismus oder die zahlreichen Herkunftsorte kennenzulernen, finde ich ungemein faszinierend. Hinzu kommt die gesellschafts- und kulturhistorische Bedeutung durch die gesamte Menschheitsgeschichte – ein unheimlich spannendes Thema ...