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Reformation und Kunst in Sachsen

Vor allem in Süddeutschland und in der Schweiz vernichteten Anhänger der Reformation im 16. Jahrhundert zahlreiche katholische Gemälde, Skulpturen und Kirchenfenster. Diese Welle der Zerstörung ging als „Bildersturm“ in die Geschichte ein. Da die meisten Menschen im 16. Jahrhundert weder lesen noch schreiben konnten, waren sakrale Darstellungen ihr einziger Zugang zur Bibel. Der Reformator war sich der großen Bedeutung dieser Kunstwerke bewusst und setzte sich deshalb für ihren Erhalt ein. Es ist der Weitsicht Luthers zu verdanken, dass es in Sachsen gleich mehrere Gotteshäuser gibt, in denen noch kostbare, katholische Kunstwerke erhalten sind. 

  • Oft liegen diese fernab der großen Städte – so wie die spätgotische St.-Wolfgangs-Kirche in Schneeberg. Hier befindet sich der erste monumentale Reformationsaltar. Er gilt als eines der umfangreichsten Werke der Cranach-Werkstatt.
  • Auch in der Idylle der sächsischen Kleinstadt Augustusburg vermuten wohl die wenigsten Besucher ein Meisterwerk der Reformationskunst. Kenner jedoch wissen: In der Kirche des Renaissanceschlosses Augustusburg befindet sich eines der bemerkenswertesten Altarbilder aus der Reformationszeit. Lucas Cranach d. J., Sohn des einstigen Wittenberger Hofmalers, stellte darauf die Familie des Kurfürsten August und ihr evangelisches Glaubensverständnis dar. Das Bildnis ist auch deshalb kulturhistorisch einmalig, weil es das einzig erhaltene Abbild der kurfürstlichen Familie ist und als unschätzbares Zeitzeugnis Informationen dieser Epoche etwa in Bezug auf Bildsprache, Kleidung, Haltung und religiöse Aussage gibt.
  • Schloss Hartenfels in Torgau wurde von Kurfürst Friedrich dem Weisen und seinen Nachfolgern zu einer prachtvollen Residenz ausgebaut. Die Schlosskirche ist der erste protestantische Kirchenneubau und wurde 1544 von Martin Luther selbst eingeweiht. Bauherr war, wie beim berühmten Großen Wendelstein, der erst vor Kurzem wieder in voller farbiger Pracht erstrahlten „unglaublichen Treppe“, Johann Friedrich der Großmütige, Neffe Friedrichs des Weisen und letzter sächsische Kurfürst aus der Linie der Ernestiner.
  • Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden beherbergen heute die größte Sammlung von Stücken aus der Reformationszeit. Während im Grünen Gewölbe symbolhafte Exponate wie der Siegelring und der Mundbecher Martin Luthers ausgestellt werden, ist die Gemäldegalerie „Alte Meister“ reich mit bedeutenden Bildern aus dem 16. Jahrhundert ausgestattet. Mit der Eröffnung eines weiteren Teils des Renaissanceflügels im Residenzschloss Dresden im April 2017 wurde eine Facette der Reformation dargestellt, die bisher kaum im Fokus des Interesses stand.

Weiter in die Geschichte eintauchen!

Reformation und Musik in Sachsen

Kein Geringerer als Johann Sebastian Bach verhalf der protestantischen Kirchenmusik zu ihrer Blüte. Der Großmeister des Barock bezeichnete sich als überzeugter Lutheraner und widmete sich mit entsprechender Hingabe den Dichtungen des Reformators. Indem er sie in mehrstimmige Chorwerke, Choräle und Orgelwerke umwandelte, gab Bach der Reformation eine vielgestalte Melodie. In Leipzig, dessen Musiklandschaft er als Thomaskantor 27 Jahre lang prägte, wurden Leben und Wirken des Künstlers anschaulich für die Nachwelt aufbereitet. Bei einem Rundgang entlang der „Notenspur“ können beispielsweise das Bach-Museum und die Thomaskirche erkundet werden. Zu empfehlen ist auch ein Besuch im Grassi-Museum für Musikinstrumente, in dem zahlreiche Exponate aus dem Barock ausgestellt werden.

Zwar wurde Bach schon zu Lebzeiten geschätzt, im 19. Jahrhundert erfuhr sein Schaffen jedoch eine neue Dimension der Anerkennung. Daran war Felix Mendelssohn Bartholdy maßgeblich beteiligt, der ebenfalls in Leipzig wirkte und sich von den Werken des Barock-Meisters inspirieren ließ. Schon im Kindesalter konvertierte der Musiker zum Protestantismus und drückte seine tiefe Religiosität in zahlreichen Kompositionen aus. Das Sterbehaus Bartholdys, in dem der bedeutende Romantiker auch das Oratorium „Elias“ fertigstellte, ist heute eines der kulturellen Zentren Leipzigs und macht – weltweit einzigartig – in einer Ausstellung Leben und Werk des Ausnahmekünstlers erlebbar.

Stimmgewaltige Erben der Reformation

Gleich zwei sächsische Knabenchöre verdienen bereits seit Jahrhunderten das Prädikat „besonders hörenswert“: der Thomanerchor in Leipzig  und der Dresdner Kreuzchor. Beide verbindet neben dem ausgezeichneten Klang vor allem ihr Auftrag, das protestantische Liedgut zu pflegen. Aus diesem Grund sind die Werke Johann Sebastian Bachs bei Motetten und Konzerten des Thomanerchors regelmäßig zu erleben. Interessanterweise waren die Sänger auch Luther ein ständiger Begleiter. So traten die Thomaner auf, als die Leipziger Disputation 1519 mit einer Messe in der Thomaskirche eröffnet wurde. 20 Jahre später wurde Luther ebenfalls von ihren hellen Stimmen begleitet, als er seine Festrede zur Einführung des protestantischen Glaubens als Staatsreligion im Herzogtum Sachsen hielt.

In der Landeshauptstadt pflegt der Dresdner Kreuzchor neben den Werken Bachs vor allem das Liedgut von Heinrich Schütz. Der „Vater der deutschen Musik“, der zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges in Dresden wirkte, schuf eine neue Qualität protestantischer Kirchenmusik. In jedem Herbst leben seine Werke beim Heinrich Schütz Musikfest auf. Dann erweckt auch der Kreuzchor die Kompositionen des ersten weltweit geschätzten, deutschen Komponisten zu neuem Leben.

Austellung im Residenzschloss

Seit 450 Jahren zeigen die Sammlungen eine einzigartige Fülle an Kunstwerken von Weltrang – darunter die größte Sammlung an Stücken aus der Reformationszeit. Mit der Eröffnung eines weiteren Teils des Renaissanceflügels im Residenzschloss Dresden im April 2017 wurde eine Facette der Reformation dargestellt, die bisher kaum im Fokus des Interesses stand.

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