• Bachfest Leipzig
Bachfest LeipzigKreuzchor DresdenGewandhaus zu Leipzig

Reformation und Musik in Sachsen

Martin Luther – Inspirationsquelle für begnadete Musiker

Kein Geringerer als Johann Sebastian Bach verhalf der protestantischen Kirchenmusik zu ihrer Blüte. Der Großmeister des Barock bezeichnete sich als überzeugter Lutheraner und widmete sich mit entsprechender Hingabe den Dichtungen des Reformators. Indem er sie in mehrstimmige Chorwerke, Choräle und Orgelwerke umwandelte, gab Bach der Reformation eine vielgestalte Melodie. In Leipzig, dessen Musiklandschaft er als Thomaskantor 27 Jahre lang prägte, wurden Leben und Wirken des Künstlers anschaulich für die Nachwelt aufbereitet. Bei einem Rundgang entlang der „Notenspur“ können beispielsweise das Bach-Museum und die Thomaskirche erkundet werden. Zu empfehlen ist auch ein Besuch im Grassi-Museum für Musikinstrumente, in dem zahlreiche Exponate aus dem Barock ausgestellt werden.

Zwar wurde Bach schon zu Lebzeiten geschätzt, im 19. Jahrhundert erfuhr sein Schaffen jedoch eine neue Dimension der Anerkennung. Daran war Felix Mendelssohn Bartholdy maßgeblich beteiligt, der ebenfalls in Leipzig wirkte und sich von den Werken des Barock-Meisters inspirieren ließ. Schon im Kindesalter konvertierte der Musiker zum Protestantismus und drückte seine tiefe Religiosität in zahlreichen Kompositionen aus. Das Sterbehaus Bartholdys, in dem der bedeutende Romantiker auch das Oratorium „Elias“ fertigstellte, ist heute eines der kulturellen Zentren Leipzigs und macht – weltweit einzigartig – in einer Ausstellung Leben und Werk des Ausnahmekünstlers erlebbar.

Stimmgewaltige Erben der Reformation

Gleich zwei sächsische Knabenchöre verdienen bereits seit Jahrhunderten das Prädikat „besonders hörenswert“: der Thomanerchor in Leipzig  und der Dresdner Kreuzchor. Beide verbindet neben dem ausgezeichneten Klang vor allem ihr Auftrag, das protestantische Liedgut zu pflegen. Aus diesem Grund sind die Werke Johann Sebastian Bachs bei Motetten und Konzerten des Thomanerchors regelmäßig zu erleben. Interessanterweise waren die Sänger auch Luther ein ständiger Begleiter. So traten die Thomaner auf, als die Leipziger Disputation 1519 mit einer Messe in der Thomaskirche eröffnet wurde. 20 Jahre später wurde Luther ebenfalls von ihren hellen Stimmen begleitet, als er seine Festrede zur Einführung des protestantischen Glaubens als Staatsreligion im Herzogtum Sachsen hielt.

In der Landeshauptstadt pflegt der Dresdner Kreuzchor neben den Werken Bachs vor allem das Liedgut von Heinrich Schütz. Der „Vater der deutschen Musik“, der zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges in Dresden wirkte, schuf eine neue Qualität protestantischer Kirchenmusik. In jedem Herbst leben seine Werke beim Heinrich Schütz Musikfest auf. Dann erweckt auch der Kreuzchor, der 2016 mit verschiedenen Veranstaltungen sein 800-jähriges Bestehen feierte, die Kompositionen des ersten weltweit geschätzten, deutschen Komponisten zu neuem Leben.

Grundstein für einen klingenden Wirtschaftszweig

Ohne die Reformation wäre Sachsen heute vielleicht auch nicht als Zentrum des Instrumentenbaus bekannt: Als infolge des Augsburger Religionsfriedens Andersgläubige aus ihrer Heimat vertrieben wurden, ließen sich böhmische Glaubensflüchtlinge im Vogtland nieder. Ein Glücksfall für die Region. Denn unter den Flüchtigen befanden sich Geigenmacher, die sich in Markneukirchen, Klingenthal und Schöneck ansiedelten. Mit der Gründung der ersten Instrumentenbauinnung Deutschlands 1677 begann die melodische Erfolgsgeschichte des Vogtlandes, das heute europaweit mit über 1.000 Beschäftigten der bedeutendste Standort für Musikinstrumentenbaus ist. In Markneukirchen können Besucher bei spannenden Schauvorführungen in den Manufakturen erleben, wie die Klangkörper mit großer Präzision und viel Liebe zum Detail gefertigt werden. Besonders lohnenswert ist auch ein Besuch im Musikinstrumentenmuseum. Hier zeigen rund 3.000 Exponate die verschiedenen Facetten des kunstvollen Handwerks.

Weiter in die Geschichte eintauchen!

Veranstaltungshöhepunkte „Die Melodie der Reformation“

Luther betrachtete die Musik seit jeher als einen wichtigen Bestandteil des Glaubens. Da Kirchenlieder entscheidend zur Verbreitung geistlicher Anliegen beitrugen, diente die Musik in der Reformationszeit wichtigeren Zwecken als dem bloßen Vergnügen. In Sachsen ist das klangvolle Erbe noch heute fester Bestandteil der lebhaften Kulturlandschaft. Zum Reformations- jubiläum 2017 widmen sich die großen Musikfestivals sowie zahlreiche Ausstellungen der Symbiose von Glaube und Musik.

Reinhören: Veranstaltungshöhepunkte "Melodie der Reformation"