• Fürstenzug in Dresden
Fürstenzug in DresdenKloster St. Marinethal in OstritzAlbrechtsburg in MeißenNonne im Kloster St. Marienstern

Die katholische Seite der Reformation

Ende des 16. Jahrhunderts wurde Sachsen der Ehrentitel „Mutterland der Reformation“ verliehen. Hier erfuhr Martin Luther große Unterstützung durch die Kurfürsten, die seinen Ideen zum Durchbruch verhalfen. Obwohl es die Bezeichnung vermuten ließe, war er selbst im „Mutterland der Reformation“ nicht ausschließlich behütet, sondern stieß vereinzelt auf heftigen Widerstand. So wurde Georg der Bärtige nach der Leipziger Disputation von 1519 zu einem erbitterten Gegner Luthers. Um den Katholizismus zu stärken, setzte sich der Herzog von Sachsen leidenschaftlich für die Heiligsprechung des Bischofs Benno von Meißen ein und kämpfte bis zu seinem Lebensende gegen die Verbreitung protestantischer Gedanken. Aufhalten konnte er die losgetretene Welle jedoch nicht, so dass sie auch sein Herzogtum erfasste. Hier führte Heinrich der Fromme nach dem Ableben seines Bruders 1539 die Reformation ein.

Wahrung katholischer Inseln in der Lausitz

Nahezu flächendeckend breitete sich der Protestantismus im gesamten Gebiet des heutigen Sachsens aus. Nicht so in der Lausitz. Da die Region nicht zum Herzogtum Sachsen gehörte, entstanden hier katholische Inseln. Besonders bemerkenswert ist, dass gleich zwei Zisterzienserinnenklöster aus dem 13. Jahrhundert die Wirren dieser Zeit überstanden. So erfüllt das Kloster St. Marienthal im ostsächsischen Ostritz heute ebenso seinen ursprünglichen Zweck wie das Kloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau. Rund um den kleinen Ort bei Bautzen pflegen die Sorben ihre katholischen Bräuche noch immer lebendig – sehr zur Freude vieler Gäste, die vor allem zu Ostern anreisen, um am traditionellen Saat- oder Osterreiten teilzuhaben. Auch die Wallfahrtskirche im nahen Rosenthal und der Friedhof in Ralbitz sind sehenswerte Repräsentanten des Katholizismus in der Lausitz.

Während jene Sorben, die rund um das Kloster St. Marienstern lebten, ihrem Glauben treu blieben, stießen in weiten Teilen ihres Siedlungsgebietes die reformatorischen Gedanken auf großen Zuspruch. Dank der klugen Ausgleichspolitik des katholischen Geistlichen Johan Leisentritt wurden in der Lausitz für die Diskrepanz zwischen den Konfessionen fortschrittliche Lösungen gefunden. So wird beispielsweise bereits seit 1524 der Dom St. Petri zu Bautzen von Katholiken und Protestanten gleichermaßen genutzt. Damit wurde er zur ersten Simultankirche Deutschlands. Heute markiert lediglich ein Gitter in der Mitte des Gotteshauses die Grenze zwischen beiden Seiten. Ein Fortschritt im Sinne der Toleranz – denn einst trennte eine Mauer die Gläubigen.

Neuer Aufschwung für den Katholizismus

Es waren die großen Ambitionen Augusts des Starken, die den Katholizismus in Sachsen zu neuer Blüte brachten. Um König von Polen zu werden, unternahm der Kurfürst enorme Anstrengungen. Er investierte nicht nur große Teile seines Vermögens in die nötigen Bestechungen, sondern konvertierte ferner zum katholischen Glauben. Um sein Volk nicht zu verärgern, ließ sich Augusts der Starke zunächst heimlich von seinem Onkel im katholischen Glauben unterweisen. Nachdem er 1697 zum Katholizismus übertrat, verzichtete der Kurfürst außerdem auf sein Recht, die Sachsen zu einem Glaubenswechsel zu zwingen. Trotz dieser Nachsicht entfremdete er sich zunehmend von seinem Volk. Unter diesem Aspekt ist auch die Darstellung August des Starken auf dem Fürstenzug zu betrachten. Hier zertritt sein Pferd die Lutherrose, eines der Symbole der Reformation.

In Folge des kurfürstlichen Glaubensübertritts kamen viele Katholiken an den Dresdner Hof. Zunächst wurde die Heilige Messe provisorisch in der umgestalteten Hofkapelle abgehalten. Erst der Sohn Augusts des Starken, König August III., ließ ab 1739 mit der Hofkirche die erste katholische Kirche in Sachsen nach der Reformation bauen. Wer dieses spätbarocke Bauwerk besucht, das von außen so prächtig erscheint, wird angesichts seiner Schlichtheit im Inneren überrascht sein. Sehenswert ist vor allem die große Silbermannorgel, die den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstand und heute regelmäßig erklingt. Von historischer Bedeutung ist auch die Gruft, die sich unter der Hofkirche befindet. Hier wird unter anderem die Kapsel mit dem Herzen August des Starken aufbewahrt. Außerdem wurden in dem Gotteshaus nach Georg dem Bärtigen, der als letzter Wettiner im Dom zu Meißen bestattet wurde, alle katholischen Mitglieder des Hauses Wettin beigesetzt. Ironie der Geschichte: Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs blieben diese nominell Oberhaupt der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen und somit „Hüter des Protestantismus“. 

Weiter in die Geschichte eintauchen!

Veranstaltungshöhepunkte „Katholische Seite der Reformation“

Luther wollte die Kirche nur reformieren. Aber eine Trennung bekam unvermeidlich und die alte Kirche existierte weiter.  Die Gegensätze aus der Reformationszeit, die auch Martin Luther nicht überbrücken konnte, sind zweifellos nicht völlig überwunden. Und dennoch spielt der Katholizismus im Mutterland der Reformation schon lange wieder und mancherorts auch immer noch eine wichtige Rolle. Vor allem im 500. Jubiläumsjahr der Reformation lohnt es sich, die katholische Seite  des Freistaates zu ergründen.

Verborgene Geheimnisse: Veranstaltungshöhepunkte "Katholische Seite der Reformation"